Ratschläge zu Leben mit MS

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Ratschläge zu Leben mit MS

Was können Patienten mit MS gegen Mobilitätsprobleme im eigenen Heim tun?


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Allgemeine Tipps für Ihren Alltag mit MS

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    Tipps zum Anziehen

    Die folgenden Ratschläge sollten Sie sich zu Herzen nehmen, wenn Sie unter fortgeschrittenen MS-Symptomen leiden:

    Wenn Sie Probleme mit der Muskelkraft haben oder es Ihnen schwerfällt, an bestimmte Dinge heranzukommen:

    a) Anziehen des unteren Körperbereichs:

    Es gibt verschiedene Hilfsmittel, mit denen Sie sich leichter anziehen können:

    Mit Socken- und Strumpfanziehern müssen Sie z.B. beim Anziehen nicht Ihre Füße anheben.

    Können Sie keine Knöpfe schließen, ersetzen Sie diese durch Klettverschlüsse oder verwenden Sie eine Knöpfhilfe. Wenn Sie Probleme mit Reißverschlüssen haben, sollten Sie einen Ring daran befestigen, um den Reißverschluss mit einem Finger öffnen und schließen zu können.

    b) Anziehen des oberen Körperbereichs:

    Weibliche MS-Patienten haben oft Probleme beim Anziehen ihres BHs. Leichter wäre es für Sie, ihn erst vorne einhaken und dann nach hinten zu drehen. Danach können die Träger über die Schultern gezogen werden. Zum Ausziehen des BHs gehen Sie in der umgekehrten Reihenfolge vor.

    Wenn Sie keine Knöpfe auf- und zumachen können, verwenden Sie entweder eine Knöpfhilfe oder ersetzen Sie die Knöpfe durch Klettverschlüsse (auch mit Klettverschluss kann die Kleidung noch genau so aussehen: einfach das Knopfloch schließen und den Knopf darüber annähen.)

    Wenn Sie unter Koordinationsproblemen oder Zittern leiden, sollten Sie bequeme Kleidung aus elastischen Stoffen mit großen Knöpfen, Reißverschlüssen oder Klettverschlüssen tragen. Außerdem sind Schuhe ohne Schnürbänder empfehlenswert (wie z.B. Mokassins) bzw. Schuhe mit Klettverschluss, Reißverschluss oder Elastikbändern.

    Nehmen Sie für die verschiedenen Alltagshilfen wie für Knöpfhilfen oder für Ringe an Reißverschlüssen nur griffige, große und breite Materialien.



    Spezifische Hinweise zur Körperpflege für MS-Patienten:

    Sorgen Sie dafür, dass Ihre Badewanne sicher und bequem ist und das Sie sie ohne Hilfe benutzen können.

    Es ist besonders wichtig, dass der Dusch- oder Badewannenboden und der Eingang rutschfest sind, um Stürze zu vermeiden.

    Wenn Sie sich stark genug fühlen und Ihr Gleichgewicht gut halten können, benutzen Sie die Badewanne oder Dusche ruhig im Stehen. Auch in diesem Fall werden jedoch Wannen- oder Duschgriffe empfohlen, damit Sie sicherer einsteigen und stehen können.

    Wenn Sie sehr müde sind oder Ihr Sturzrisiko hoch ist, sollten Sie lieber im Sitzen duschen. Sie sollten auch dann sitzen bleiben, wenn Sie in Ihren oberen Gliedmaßen keine Muskelkraft haben bzw. sie nur eingeschränkt oder gar nicht benutzen können. In diesem Fall benötigen Sie Hilfe beim Ein- und Aussteigen.

    Es werden zahlreiche Modelle von Dusch- und Badewannensitzen angeboten. Wählen Sie je nach Ihren Bedürfnissen und den Abmessungen sowie dem Design Ihres Badezimmers das für Sie passende Modell aus.

    Wir empfehlen, eine Badewanne gegen eine ebenerdige Dusche auszutauschen. Denn so kann nicht nur die Stolpergefahr reduziert werden, sondern die ebenerdige Dusche kann vor allem auch mit einem Rollstuhl benutzt werden.

    Zum Duschen oder Baden selbst steht eine Vielzahl technischer Hilfen zur Verfügung, die Sie unterstützen, wenn Sie aufgrund von mangelnder Muskelkraft oder Geschicklichkeit Schwierigkeiten dabei haben:

    Wenn Sie nicht fest greifen können, sollten Sie statt eines Schwamms lieber einen Badehandschuh verwenden.

    - Wenn es Ihnen schwerfällt, bestimmte Körperteile zu erreichen (Füße, Rücken), können Schwämme mit langen Handgriffen verwendet werden.

    - Wenn Sie nur einen Arm benutzen können, können Seifenspender und Seifenschwämme hilfreich sein.

    - Wenn Sie unter einer geringeren Sensibilitätsschwelle leiden, sollten Sie beim Einstellen der Wassertemperatur besonders vorsichtig sein. Die Verbrühungsgefahr kann von vorneherein reduziert werden, indem die Heißwassertemperatur behutsam gewählt wird.

    Nach dem Duschen sollten Sie sich zum Abtrocknen hinsetzen und einen Bademantel verwenden.


    Wenn es Ihnen schwerfällt, Dinge aufzuheben, können Sie Haltegriffe verstärken und griffiger machen, indem Sie Velours-Klebeband darum wickeln (wie ein Griffband beim Tennisschläger). Leichte Gegenstände sind grundsätzlich besser für MS-Patienten mit unterschiedlichen Symptomen der Spastik geeignet.

    Wenn Ihre Reichweite eingeschränkt ist, benutzen Sie langstielige Artikel wie z. B. Kämme oder spezielle Bürsten). Verwenden Sie kein Aerosol (Deo etc.) oder scharfe Gegenstände (Scheren, Messer etc.), wenn Sie unter Zittern leiden.

    Empfehlenswert sind elektrische Zahnbürsten und Rasierer. Je schwerer und größer diese sind, desto leichter können Sie diese anwenden: Einfach die Geräte mit Ihrem  Ellenbogen, den Sie auf der Ablage abstützen, halten. Dazu dann Ihren Kopf statt die Arme bewegen.

    Generell sind bei Patienten, die Probleme haben, ihre Arme zu bewegen , kurze und pflegeleichte Haarschnitte empfehlenswert.


    Schwierigkeiten bei der Benutzung einer Toilette

    Zum Hinsetzen und Aufstehen von der Toilette können je nach den Bedürfnissen des Multiple Sklerose-Patienten verschiedene Hilfen verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise erhöhte Toilettensitze, feste und ausklappbare Griffe, Haltegriffe etc.

    Wichtig ist, dass das Toilettenpapier gut zu erreichen ist – am besten von der am wenigsten beeinträchtigten Körperseite aus.


    Sonstige Alltagsverrichtungen bei MS

    Abgesehen von den technischen Hilfen für die bereits beschriebenen Aktivitäten gibt es noch viel mehr Alltagshilfen, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit spastischen Symptomen beitragen können:

    - Schlafen: verstellbare Betten, seitliche Balken zum Schutz gegen Herausfallen und Haltegriffe zur Verbesserung der Mobilität sowie Aufstehhilfen ...

    - Schreibhilfen: wie Stifthalter oder gewichtete Stifte

    - Lesehilfen: wie Lupen bei Sehstörungen , Notenständer und Umblätterhilfen bei Muskelschwäche.

    - Kommunikationshilfen: wie Großtastentelefone bzw. leicht zu bedienende Mobiltelefone.


    Ihr Alltag mit MS zu Hause: Heim-Automation

    Unter Heim-Automation sind solche Umrüstungsmaßnahmen innerhalb des Hauses bzw. der Wohnung zusammengefasst, die zur Verbesserung der Lebensqualität von Multiple Sklerose-Patienten dient – die insbesondere von Menschen mit MS sowie deren Betreuern genutzt werden können. Dadurch kann mehr Selbstständigkeit, Kontrolle, Komfort, Sicherheit und Effizienz im Alltag mit MS erreicht werden.

    Wegen der Bewegungseinschränkung von MS Patienten ist es sehr nützlich, gerade die Funktionen zu automatisieren, die für alltägliche Bewegungen notwendig sind:

    • Türöffnungssysteme: Türöffner-Karten, mechanische Arme zum Öffnen von Türen, Leichtbautüren, spezielle Schlüsselanhänger.
    • Mechanische Rollläden: Es sollten für jeden Benutzer geeignete Steuersysteme verwendet werden (Drucktasten zur Höhenverstellung, Fernbedienung etc.).
    • Aktive Sicherheit: Gas- und Wasserleckmelder oder Alarmmelder bei Stürzen im Badezimmer etc.
    • Automatische Lichtsteuerung: ausgelöst durch Nutzung, Spracheingabe etc.

    Ergotherapeuten kennen sich bestens mit technischen Hilfsmitteln für Menschen mit Spastik-Symptomen aus. Ziehen Sie daher unbedingt einen Ergotherapeuten mit ein, um die richtige Auswahl für Mechanismen zur Erleichterung Ihres Alltags mit MS im Haushalt zu treffen.